Landtag zeigt Ausstellung zu „Mediation – ein guter Weg zur Einigung“

 
Keiner will ihn, jeder kennt ihn und viele haben ihn: den Streit.

Doch wie schon ein deutsches Sprichwort sagt: „Mit Zank und Streit kommt man nicht weit.“ Eine alternative Methode zur konstruktiven Beilegung eines Konflikts ist die Mediation. „Mediation – ein guter Weg zur Einigung“ – so lautet auch der Titel der Ausstellung, die Erster Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet im Maximilianeum eröffnet hat. Informationsstände zu dem Thema sind bis zum 26. Oktober im Kreuzgang aufgebaut. Zusätzlich beantworten an den drei im Oktober stattfindenden Plenartagen (13., 18. und 26. Oktober) ausgebildete Mediatoren im Landtag die Fragen der Ausstellungsbesucher zu dem Thema.

„70 bis 75 Prozent aller Mediationen verlaufen erfolgreich – eine Zahl, die sicherlich beeindruckend und Grund genug ist, die Methode einer noch größeren Öffentlichkeit vorzustellen“, unterstrich Erster Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet bei der Eröffnung der Ausstellung im Maximilianeum. In Deutschland habe sich das Verfahren seit 1990 zunehmend etabliert. Seither, so Bocklet, hätten sich die Anwendungsgebiete für Mediationsprozesse sichtlich erweitert. 

Mediation als gleichberechtigtes Verfahren zur Konfliktbewältigung in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft bekannt zu machen – das hat sich insbesondere die gemeinnützige Deutsche Stiftung Mediation mit Sitz in München auf ihre Fahnen geschrieben: „Unser Ziel ist es, einen Beitrag zur Verbesserung der Streitkultur und zur Entlastung der Gerichte zu leisten. Wir verwirklichen dieses Ziel mit unseren bundesweit über 700 ehrenamtlichen Mitarbeitern und mit öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen wie dieser hier im Landtag“, erklärte dazu Viktor Müller, Vorstandsvorsitzender der Stiftung.

Was ist der „Konflikt hinter dem Konflikt“?

Wenn es zu Konflikten, Streitigkeiten und Spannungen zwischen Menschen kommt, geht es oft gar nicht mehr um die Sache an sich, sondern um die persönlichen Beziehungen zueinander – die Gefühle, die Interessen, die Bedürfnisse, die unterschiedlichen Wahrnehmungen, also um einen „Konflikt hinter dem Konflikt“. Ein Mediator nimmt sich dieser Themen an, die – wie bei einem Eisberg – unterhalb der Oberfläche liegen. Als Vermittler steht er neutral und allparteilich zwischen den Konfliktparteien und verhilft im Rahmen des Mediationsverfahrens zu einer einvernehmlichen Lösung, vorausgesetzt die Kontrahenten streben die Beilegung der Streitigkeit auch tatsächlich an. 

„Die entscheidende Frage ist, wie wir mit einem Konflikt umgehen“, führte Viktor Müller dazu weiter aus. Wertschätzender und respektvoller Umgang seien wesentliche Elemente in einer Mediation. Damit sei Mediation kein Verfahren zur Streitvermeidung, wohl aber zur Streitbeilegung. Wie das funktionieren kann, veranschaulichte bei der Ausstellungseröffnung die szenische Einlage eines streitenden Ehepaares, das sich mit Hilfe eines Mediators schließlich wieder versöhnen konnte. 

Entlastung der Gerichte

Eines der wichtigsten Felder für die Anwendung der Mediation ist weiterhin das Gebiet des Rechts. Nachdem 2008 die EU mit der sogenannten „Mediationsrichtlinie“ einen ersten Rahmen für die Aufnahme bestimmter Aspekte der Mediation in Zivil- und Handelssachen setzte, trat im Juli 2012 nach einem langwierigen Gesetzgebungsprozess das bundesdeutsche „Mediationsgesetz“ in Kraft. Damit lässt das Gesetz Mediation auch in Gerichten in Teilen zu und bietet Ansatzpunkte zur Entlastung der Justiz. 

Potential auch in der Politik

Prof. Dr. Horst Eidenmüller LLM (Cantab), Inhaber eines Lehrstuhls für Handelsrecht an der Universität Oxford und Mediator, verdeutlichte das Potential der Mediation in der Politik anhand der bevorstehenden Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und den EU-Mitgliedstaaten. Angesichts der überaus hohen Komplexität von Parteien, Interessen und Themen in einem eventuell bis zu zehn Jahre andauernden Prozess (in dessen Verlauf nach einem Eckpunkte-Vertrag noch eine Vielzahl weiterer Abkommen ausgehandelt werden müssen), ließen sich die gewaltigen Herausforderungen der Verfahrenssteuerung am besten im Rahmen eines Mediationsformats bewältigen, zeigte sich der Professor aus Oxford überzeugt.   

Initiatoren und Gäste der Ausstellungseröffnung, darunter Peter Küspert, Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs (rechts), und Dr. Karl Huber, ehemaliger Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs (2.v.r.). | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Die Ausstellung ist bis zum 26. Oktober im Maximilianeum zu sehen. Öffnungszeiten sind Montag bis Donnerstag von 9.00 bis 16.00 Uhr, Freitag von 9.00 bis 13.00 Uhr sowie sonntags im Rahmen der zum Sonntagscafe angebotenen Hausführungen in der Zeit zwischen 13 und 15 Uhr. 

Adresse: Bayerischer Landtag, Maximilianeum, Max-Planck-Str. 1, 81675 München U4/U5 Max-Weber-Platz, Straßenbahn 19 Haltestelle Maximilianeum. Der Eintritt ist frei.

   – Text veröffentlicht: Dienstag, 11. Oktober 2016von Katja Helmö –

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