GANDALF

Empirische Daten zur Mediation in Deutschland sind Mangelware. Das tatsächliche Fallaufkommen, der tatsächliche Bedarf sowie das Verhalten und Verhältnis der etablierten Streitbehandler-Berufsgruppen (Rechtsanwälte, Berater, Coaches etc.) und der potentiellen Nachfrager zur Mediation sind noch nicht hinreichend erforscht.

Das Projekt GANDALF wurde von der Deutschen Stiftung Mediation ins Leben gerufen. GANDALF verfolgt einen ganzheitlichen, interdisziplinären wissenschaftlichen Ansatz, um damit einen Beitrag zur Beantwortung verschiedener Teilaspekte der oben genannten Fragestellungen zu leisten.  GANDALF ist im Frühjahr 2015 gestartet und die Veröffentlichung erster Ergebnisse wird im Sommer 2017 erwartet.

I. Der Ausgangspunkt: Mangel an empirischen Daten zur Mediation und zum Markt

Keiner weiß wirklich, wie viele Mediationen in Deutschland gegenwärtig durchgeführt werden, schon gar nicht auf dem freien Markt, also außerhalb von gerichtsnahen Mediationen bzw. Güterichterverfahren.

Es ist weiterhin nicht bekannt ist, ob es überhaupt einen Bedarf nach Mediation gibt. Auch ob – und wenn ja: in wie weit – sich Mediation auf dem freien Markt bereits etabliert hat, ist nicht bekannt. Empirische Erkenntnisse zu sonstigen Hindernissen, die gegenwärtig einem Erfolg der Mediation entgegenstehen könnten, sind zur Zeit kaum zu finden.    
Gebraucht würden z.B. umfangreiche Marktforschungsstudien sowie eine Rückkoppelung zur Praxis. Um das fehlende Wissen zu generieren braucht es also erheblichen Forschungsaufwand, welcher entsprechend finanziert sein will. Auch hier tut sich bisher noch ein erheblicher Mangel auf.

II. Die Folge: Mangel an Steuerungswissen zum Mediationsmarkt

Aufgrund der fehlenden Forschungen fehlt es an Steuerungswissen zur Mediation und zum Mediationsmarkt. Welche Gründe hat es z.B., dass das Fallaufkommen von von Zivilprozessen bundesweit seit Jahren einen markanten Rückgang[1] erlebt?  Gibt es überhaupt einen (Nach-)Steuerungsbedarf? Falls ja, so bedeutet der Datenmangel nebst fehlendem Steuerungswissen, dass die Richtungen und mögliche Zielpunkte des (Nach-)Steuerns nicht oder nicht optimal ausgewählt werden können. Wer aber schon die Richtungen des möglichen (Nach-)Steuerns nicht kennt, kann auch keine geeigneten Maßnahmen (z.B. Mediationskostenhilfe, Mediationszwang, etc.) bestimmen.

Mit GANDALF möchte die Stiftung unabhängiges, ergebnisoffenes, interdisziplinäres, wissenschaftliches Forschen initiieren und begleiten, um damit sowohl dem Anbieter auf dem freien Markt als auch dem Gesetzgeber, der – etwa bei der Steuerung des Güterichtersystems und auch des freien Mediationsmarktes – unterschiedlichste Interessen auszugleichen hat, relevantes Wissen an die Hand zu geben. Am Ende sollen so die staatlich verfasste Gemeinschaft und ihre Streitenden profitieren.

[1] An den Amtsgerichten war zwischen 1995 und 2013 ein Rückgang der Neueingangszahlen um 35 Prozent zu beobachten, s. zum Ganzen eingehend Wolf NJW 2015, S. 1656 (1657).